Die Biergärten gehen zurück auf eine Zeit, in der das Brauen auf die Monate zwischen Ende September und Ende April beschränkt war. Im Sommer war das Bierbrauen aufgrund der hohen Brandgefahr durch ein Dekret aus dem Jahr 1539 untersagt. Den Biervorrat für die Sommermonate (das sogenannte "Märzenbier") braute man etwas stärker ein, um die Haltbarkeit zu erhöhen. Die Brauer mussten ihr Bier also auf Vorrat herstellen, doch wie konnte man das untergärige Bier über den Sommer retten?
Die Brauer und Wirte ließen daher tiefe Kellerhöhlen schlagen. Daran erinnern z.B. in München noch gängige Namen wie Salvatorkeller, Hofbräukeller und Löwenbräukeller. In den Kellern lagerte und reifte das Bier in Fässern unter riesigen Brocken von Natur-Eis, das im Winter aus Flüssen und Seen geschlagen wurde. Sie können die Treppen zum Eiskeller im Almwirtsgarten, die erst in den 50er Jahren gebaut wurden, rechts neben der Schänke sehen.
Die Beschattung
Um das Bier kühl zu lagern, baute man spezielle Bier- oder Eiskeller. Damit das Eis länger hält, beschattete durch schattenspendende Bäume wie z.B. die großblättrige Linde. Zum Schutz vor der Sonnenwärme streute man hellen Kies auf die Kellerhöhlen oder Eiskeller.
Der König
Bier wurde dort natürlich auch ausgeschenkt - die Brauer stellten Tische und Bänke auf und boten dort das frische Bier an. Das trieb die Burghauser in Scharen zu den Bierkellern und die Wirte auf die Barrikaden, denn sie fürchteten um ihre Kundschaft. König Ludwig I. (1786-1868) hatte schließlich ein Einsehen mit den Wirten und verbot den Verkauf von Essen in den "Biergärten". Wer nun also sein schattiges Bier genießen wollte, der musste seine Brotzeit selbst mitbringen. Daher kommt der auch heute noch vielgepflegte Brauch, sich mit vollgepacktem Brotzeitkorb samt Tischtuch und Besteck zum Brotzeiteln niederzulassen und dem Wirt lediglich das Bier zu bezahlen. Doch die Zeiten ändern sich. In vielen Bier- oder besser Wirtsgärten wird der Selbstversorger heute ausgesperrt.
Ein Prosit der Gemütlichkeit
Was aber macht einen typischen Biergarten aus? Er befindet sich vor oder hinter einer Gaststätte auf einer freien Kiesfläche mit Kastanienbäumen, er ist mir Holztischen und -Stühlen bestückt, es gibt Brotzeitstände mit Radi, Bauernbrot, Obatzda , Steckerlfisch, Spareribs, Pressack, Auszogne und ofenfrische Brezn. Das wichtigste aber ist ein gutes Bier, das "Helle", literweise als Maß ausgeschenkt, oder ein Hefe-Weißbier im Glas. Wer es leichter mag, holt sich den Russ oder den Radler.